Das erste Wochenende der Herbstferien brachte zwei wunderbare, warme „Goldener Oktober“ – Tage. Dementsprechend stark war das Einsatzgebiet unserer Ortsstelle zwischen Rax und Schneeberg von Ausflüglern, Wanderern, Alpinisten, Kletterern oder Familien besucht. Leider führte dies auch zu gleich mehreren Alarmierungen am Samstag und Sonntag.
Alarmierung #1 ging am Samstagnachmittag um 14:17 Uhr ein. Ein Wanderer gab in der Zentrale der Bergrettung Reichenau (und spät er auch beim Notruf 140) an, dass er seinen Bergbegleiter verloren hatte und ihn telefonisch nicht mehr erreichen konnte. Die Dienstmannschaft war zu diesem Zeitpunkt gemeinsam mit einigen Bergretter:innen bei den Feierlichkeiten von 100 Jahre Waxriegelhaus am Fuße der Rax. Es konnte eruiert werden, dass die gesuchte Person in Richtung Waxriegelhaus und Preiner Gscheid absteigen wollte. Aus diesem Grund wurde am Waxriegelhaus der Einsatzstab gemeinsam mit der Bergrettung Mürzzuschlag eingerichtet. Es wurde beschlossen, die zur Hütte führenden Steige abzugehen. Kurz bevor die Teams aufbrachen, traf die gesuchte Person am Waxriegelhaus ein und es konnte – nachdem sie unverletzt war – Entwarnung gegeben werden.
Alarmierung #2 ging am Samstag um 17:27 Uhr ein – eine 55-jährige Niederösterreicherin war im Abstieg vom Naturfreundehaus auf der Konfeleben im oberen Bereich des versicherten Mariensteigs gestolpert und ca. 10-12m über eine Felswand abgestürzt. Sie kam in einer Schotterrinne zu liegen. Ihre vier Begleiter:innen setzten umgehend die Rettungskette in Gang. Eine Bergung durch den Christophorus war aufgrund des Nebels (in Wiener Neustadt) und der Lage in einer steilen Felsrinne nicht möglich. Ein erstes Einsatzteam – bestehend aus zwei Bergretter:innen und einem Bergrettungssanitäter – fuhren von der Zentrale in Richtung Einsatzort und stiegen über einen Jagdsteig in die sogenannte Eng auf. Die Dienstmannschaft fuhr vom Waxriegelhaus direkt – inkl. Material für eine terrestrische Bergung – zu und begann mit dem Aufstieg. Um 18:08 traf der Voraustrupp bei der Patientin ein – sie hatte eine kleine Platzwunde am Kopf sowie eine offenen Unterschenkelfraktur erlitten. Der Vorausstrupp übernahm die Erstversorung, versorgte das gebrochene Bein und
schiente es. Währenddessen stieg die im Tal eingetroffene Dienstmannschaft zum Unfallort mit der Alpintrage auf und seilte sich 20 min. später zum Unfallort ab. Um kurz nach 18:30 Uhr war die Frau soweit stabilisiert, dass sie in die Gebirgstrage eingebracht und zum Abtransport über die Schotterrinne vorbereitet werden konnte. Eine dritte Mannschaft war mittlerweile zusammengezogen worden, um die Begleitpersonen sicher ins Tal zu begleiten. Um 18:45 Uhr startete der Abtransport mittels Gebirgstrage durch unwegsames, steingschlaggefährdetes Gelände. Kurz vor Viertel nach 19 Uhr traf das Bergeteam mit der Verunfallten im Tal ein und konnte die Frau an den Notarzt übergeben. Im Anschluss rückten die Bergretter:innen wieder in die Zentral ein und um 20:00 Uhr konnte Einsatzende vermeldet werden.
Alarmierung #3 ging dann am Sonntag um 14:19 Uhr ein. Personen wählten den Notruf 140 und gaben an, dass sie im Bereich Jubiläumsaussicht, Waldburgangerhütte Hilferufe sowie Geräusche eines Steinschlages vernommen hatten. Eine Bergretterin und ein Alpinpolizist fuhren vom Tal aus zu und begannen mit dem Zustieg. Auch der Hüttenwirt der Knofeleben, ebenfalls Bergretter, fuhr zum Ort der Meldung und traf wenig später mit dem Vorausteam zusammen. Parallel wurde eine zweite Mannschaft mit Alpintrage und Bergeausrüstung zusammengezogen. Während der Voraustrupp vom Berg aus ins Tal den Wanderweg
abstieg, stieg die zweite Mannschaft in Richtung Geyerstein zu. Die meldende Person konnte am Ausgangspunkt noch einmal befragt werden, wodurch das Einsatzgebiet eingegrenzt werden konnte. Ein zweiköpfiges Team stieg um 15:20 Uhr über den Wanderweg und einen unmarkierten Steig zum Klettergebiet, dem vermeintlichen Felssturzgebiet zu, das Bergeteam mit Alpintrage und Bergematerial folgte. Um 15:45 Uhr konnten vier Jugendlichen im Alter von 14-16 Jahren in einer Schotterrinne unterhalb der Felswände angetroffen werden. Diese waren unverletzt, jedoch orientierungslos. Nach einem kurzen Check begann der gemeinsame Abstieg in Richtung Wanderweg und weiter ins Tal. Um kurz nach 16:00 Uhr traf das Bergrettungsteam mit den vier Jugendlichen bei den Fahrzeugen der Bergrettung ein. Nach der Aufnahme der Daten durch die Alpinpolizei rückten die Teams wieder in die Zentrale ein.
Alarmierung #4 ging parallel zu #3 ein. Eine Person hatte sich im Bereich Neue Seehütte eine Fraktur des Unterarms zugezogen. Ein anwesender Bergretter der Ortsstelle Reichenau übernahm die Erstversorgung. Aufgrund der langen Zufahrtszeit für eine bodengebundenen Bergung sowie der vielen Wanderer am Weg zur Seehütte, wurde in Abstimmung mit dem Notruf 140, der Christophorus alarmiert. Um kurz nach 15:00 Uhr traf der C3 auf der Seehütte ein und übernahm die weitere Versorgung. 15:33 Uhr konnte der Rettungshubschrauber wieder abheben und brachte die Person in Krankenhaus. Ergänzend dazu wurde ein Mann, der über Übelkeit klagte, mit dem Quad des Hüttenwirts zur Bergstation transportiert, wo er ins Tal gebracht und an den Rettungswagen übergeben werden konnte.
Ergänzend zu den Einsätzen, war die Ortsstelle Reichenau auch an beiden Tagen beim Fest „100 Jahre Waxriegelhaus“ mit einer Delegation vertreten (bzw. unterstützten einige Mitglieder im Service). Es war uns ein Anliegen, unserem Bergrettungsmitglied und Hüttenwirt Martin sowie seinem Team, alles Gute zum Jubiläum zu wünschen. Und ein kleines Geschenk zu überreichen. Abgerundet wurde das Fest von Live-Musik sowie tollen Vorträgen von Gerlinde Kaltenbrunner und Thomas Huber.