Alpin Notruf: 140

Im Einsatzgebiet unserer Ortsstelle zählen die Wintermonate traditionell zu den einsatzärmeren Zeiten des Jahres. In dem ausgesprochen schneearmen Winter 2025/26, der meist nur wenige Skitourenmöglichkeiten bot, wurden wir lediglich achtmal alarmiert. Seit dem groß angelegten Sucheinsatz nach den dreizehn vermissten Schneeschuhgehern (siehe Bericht vom 16. März 2026) hat das Einsatzgeschehen mit dem Einsetzen der Schneeschmelze jedoch deutlich zugenommen. Allein seit dem 1. April wurden wir bereits zu acht Einsätzen gerufen.

Am 3. April setzten zwei junge tschechische Staatsbürgerinnen um 21:32 Uhr einen Notruf ab. Die beiden waren mit den zu diesem Zeitpunkt noch tiefwinterlichen Verhältnissen auf der Rax überfordert und gerieten aufgrund fehlender Tourenplanung sowie unzureichender Ausrüstung in Bergnot. Ein fünfköpfiges Bergeteam fuhr mit einer Sonderfahrt der Rax-Seilbahn (vielen Dank für die hervorragende Zusammenarbeit) auf das Plateau und stieg bei Schneesturm, Nebel und Kälte mit Tourenski zum Einsatzort zwischen Jakobskogel und Törlkopf auf. Kurz vor 23:30 Uhr konnten die beiden Frauen sowie ihr Hund aufgefunden werden. Alle drei waren stark unterkühlt und durchnässt. Nach entsprechendem Wärmemanagement und aufgrund der anhaltend schlechten Witterung wurde entschieden, über den Törlweg ins Tal abzusteigen. Nach rund 1 Stunde und 20 Minuten erreichten sie das Bergrettungsfahrzeug. In der Zentrale der Bergrettung konnten sich die Betroffenen aufwärmen und wurden mit Tee versorgt; nach der polizeilichen Befragung wurde der Einsatz um 01:27 Uhr beendet.

Nur zwei Tage später wurde einer ungarischen Familie die Schneelage zum Verhängnis. Aufgrund eines Navigationsfehlers war die Familie irrtümlich in den Hoyossteig (Klettersteig A) eingestiegen, der im oberen Bereich noch tief verschneit war. Der Familienvater setzte gegen 17:00 Uhr einen Notruf ab. Aufgrund der einsetzenden Dunkelheit wurde der Polizeihubschrauber alarmiert, der die vierköpfige Familie in zwei Flügen barg. Die Bergrettung Reichenau übernahm am Zwischenlandeplatz beim Weichtalhaus die Versorgung der unverletzten, jedoch unterkühlten Personen.

Am 9. und 12. April verirrten sich jeweils Wandergruppen und mussten ebenfalls vom Polizeihubschrauber geborgen werden. Der erste Einsatz ging kurz nach 17:00 Uhr ein: Drei Personen aus Österreich, Deutschland und Russland waren auf der Brandschneide vom markierten Weg abgekommen und kamen im weglosen Gelände nicht mehr weiter. Der zweite Einsatz betraf den Lärchkogelgrat, einen unmarkierten, steilen Steig mit Kletterpassagen. In beiden Fällen unterstützte unsere Ortsstelle bei der Koordination sowie bei der Einweisung der Hubschrauberpiloten im unwegsamen Gelände.

Ende April kam es im Bereich des Weichtalhauses an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zu Kletterunfällen in derselben Route. Am 24. April stürzte ein 70-jähriger Kletterer aus Wien ins Seil und konnte sich aus seiner kopfüber hängenden Position nicht mehr selbst befreien. Zwei zufällig anwesende Bergretter unserer Ortsstelle übernahmen die Bergung und Erstversorgung des Patienten, der ein Hängetrauma erlitten hatte. Zum Wandfuß musste der Kletterer mittels Gebirgstrage abgeseilt werden, wo er dem Rettungsdienst zur weiteren Abklärung übergeben wurde. Am darauffolgenden Tag stürzte ein 29-jähriger Mann, ebenfalls aus Wien, ebenfalls ins Seil und wurde ebenso von anwesenden Bergrettern unserer Ortsstelle geborgen. Er blieb jedoch unverletzt.

Das lange Wochenende rund um den 1. Mai brachte schließlich zwei weitere Einsätze. Am Samstag stürzte ein 50-jähriger Mann aus dem Bezirk Neunkirchen mit seinem E‑Mountainbike auf einer MTB‑Strecke nahe dem Gasthaus Flackl und zog sich Schulter- und Armverletzungen unbestimmten Grades zu. Da eine Zufahrt mit dem Rettungswagen nicht möglich war, rückten neben dem Rettungsdienst und der Freiwilligen Feuerwehr Edlach auch unsere Einsatzkräfte aus. Nach der Erstversorgung wurde der Verunfallte mittels Gebirgstrage und mit Unterstützung der Feuerwehr zum Parkplatz beim Gasthaus Flackl transportiert und anschließend ins Krankenhaus eingeliefert.

Nur wenige Stunden später erfolgte die nächste Alarmierung: Eine sechsköpfige Wandergruppe befand sich im Abstieg vom Naturfreundehaus auf der Knofeleben, als sich eine 58-jährige Teilnehmerin eine schwere Knöchelverletzung zuzog. Der Hüttenwirt, selbst Bergretter unserer Ortsstelle, stieg von oben zur Unfallstelle ab, während ein weiterer, in der Nähe wohnhafter Bergretter ebenfalls umgehend zum Einsatzort aufbrach. Parallel dazu wurde der Alpinarzt unserer Ortsstelle alarmiert und ein Bergeteam zusammengestellt. Bereits 20 Minuten nach der Alarmierung trafen die ersten Einsatzkräfte bei der Verletzten auf etwa 800 m Seehöhe ein und führten die Erstversorgung sowie die Schienung des Knöchels mittels SAM‑Splint durch.

In Rücksprache mit der Leitstelle wurde entschieden, den Rettungshubschrauber Christophorus aus Wiener Neustadt anzufordern und eine Taubergung aus der engen Klamm zu versuchen. In enger Zusammenarbeit zwischen Hubschrauberbesatzung und Bergeteam konnte kurze Zeit später ein geeigneter Bergungsplatz gefunden werden. Die Patientin wurde dazu rund 100 Meter mittels Tragering durch die Bergrettung transportiert. Ein weiteres Bergeteam verblieb mit der Gebirgstrage beim Einstieg in die Eng auf Höhe des Mariensteigs in Bereitschaft. Rund 60 Minuten nach der Alarmierung konnte die Patientin an einer kleinen Lichtung erfolgreich mittels variablem Tau geborgen und zum Zwischenlandeplatz ausgeflogen werden. Dort unterstützte ein drittes Bergeteam die Hubschraubercrew bei der weiteren Versorgung und dem anschließenden Weiterflug ins Krankenhaus. Die Begleitpersonen sowie die Einsatzkräfte stiegen danach ins Tal ab; gegen 18:30 Uhr konnte der Einsatz abgeschlossen werden.

Wir wünschen allen Personen, denen wir helfen konnten, eine rasche und vollständige Genesung. Ein besonderer Dank gilt unseren Bergretterinnen und Bergrettern sowie allen beteiligten Organisationen und Partnern – Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei, ÖAMTC und der Rax-Seilbahn – für die ausgezeichnete Zusammenarbeit.