Alpin Notruf: 140

Der Mai brachte viel Sonnenschein, außergewöhnlich hohe Temperaturen und entsprechend großen Andrang im Rax-Schneeberg-Gebiet. Unsere Ortsstelle wurde im vergangenen Monat insgesamt 13-mal alarmiert – von Waldbränden über Frakturen und Kletterunfälle bis hin zu internistischen Notfällen. Besonders arbeitsintensiv war das Pfingstwochenende mit fünf Einsätzen; auch am letzten Maiwochenende wurden unsere Bergretter:innen dreimal alarmiert.

Am frühen Morgen des 8. Mai erlitt ein Gast am Waxriegelhaus einen schweren Krampfanfall. Unsere Ortsstelle koordinierte den Einsatz mit dem Rettungshubschrauber Christophorus 3 aus Wiener Neustadt und den Kolleg:innen der Bergrettung Mürzzuschlag. Bereits 20 Minuten nach der Alarmierung traf der Hubschrauber am Einsatzort ein und unterstützte den anwesenden Bergretter und Hüttenwirt Martin bei der Versorgung. Der Patient aus Wien wurde anschließend zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus geflogen.

Am 10. Mai wurde unsere Ortsstelle vom Naturfreundehaus auf der Knofeleben verständigt: Eine 51-jährige Wienerin hatte sich an der Hand verletzt. Zwei Bergretter rückten aus. Die Erstversorgung und Schienung mit SAM Splint und Dreieckstuch übernahm bereits unser Kamerad und Hüttenwirt Marco. Anschließend wurde die Frau mit dem Bergrettungsfahrzeug nach Bürg gebracht und dort dem Rettungsdienst zur Weiterfahrt ins Krankenhaus übergeben.

Das folgende Wochenende blieb – abgesehen von einem internistischen Notfall, bei dem wir gemeinsam mit Notarzt, First Responder und Feuerwehr die Versorgung und Bergung übernahmen – einsatzfrei.

Zu Pfingsten fand der Kletterausflug unserer Ortsstelle nach Kroatien statt, an dem mehr als 20 Bergretterinnen und Bergretter sowie Freunde und Familienmitglieder teilnahmen (Fotos und Bericht folgen). Dennoch war unsere Ortsstelle an diesem langen Wochenende mit einer Dienstmannschaft im Einsatz und bei insgesamt fünf Alarmierungen gefordert, teils in Zusammenarbeit mit Polizei- und Rettungshubschrauber.

Der Samstag bot ideales Bergwetter, entsprechend waren die Parkplätze im Höllental sowie an den Ausgangspunkten der Wanderwege zwischen Reichenau/Rax und Schwarzau/Gebirge völlig überfüllt. Trotzdem blieb der Tag ruhig. Den Sonntagvormittag nutzte die Dienstmannschaft für eine Erste-Hilfe-Fortbildung in der Zentrale und im nahen Waldgebiet. Die erste Alarmierung erfolgte dann am Sonntagnachmittag um 14.50 Uhr: Eine Tirolerin war am Seeweg umgeknöchelt und konnte nicht mehr weitergehen. Ein am Ottohaus anwesender Bergretter begann sofort mit dem Zustieg, zwei weitere fuhren mit der Seilbahn aufs Plateau und von dort mit dem Einsatzfahrzeug zur Unfallstelle. Nach weniger als 60 Minuten wurde die 53-Jährige erreicht und ihr Knöchel mit einem SAM Splint geschient. Weitere Verletzungen lagen nicht vor. Auf dem Rückweg zur Bergstation wurde die Einsatzmannschaft von einem Wanderer angehalten: Ein Mitglied seiner Gruppe war am Weg zwischen Ottohaus und Bergstation ebenfalls umgeknöchelt und konnte nicht weiter.
Die Sanitäter der Einsatzmannschaft übernahmen die Versorgung, während das Einsatzfahrzeug die bereits versorgte Tirolerin zur Bergstation brachte, damit sie ins Tal und anschließend mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden konnte. Danach wurde auch die zweite Patientin mit dem Bergrettungsfahrzeug zur Rax-Seilbahn gebracht. Im Tal wartete sie auf ihre Begleitpersonen, die sie ins Krankenhaus brachten.

Am Pfingstmontag ging um 14.51 Uhr die erste von drei Alarmierungen ein. Ein Kletterer war im Bereich Wienerneustädter Weg/Teufelsbadstube in der letzten Seillänge etwa zehn Meter ins Seil gestürzt und gegen die Felsen geprallt. Die erfahrenen und gut ausgerüsteten Seilschaften – zwei Zweierseilschaften – setzten sofort die Rettungskette in Gang und übernahmen die Erstversorgung. Für eine möglichst rasche Hilfe wurde zusätzlich der Rettungshubschrauber Christophorus 3 angefordert. Am Zwischenlandeplatz im Höllental wurde das Vorgehen mit der Bergrettung Reichenau abgestimmt, anschließend gelang eine Taubergung. Die aufwendige Versorgung des Patienten – Schmerztherapie, Wärmemanagement, Schienung des Sprunggelenks, Wundversorgung und Anlegen eines Beckengurts – erfolgte gemeinsam durch Christophorus 3 und die Sanitäter der Bergrettung Reichenau. Um 16.00 Uhr war der Kletterer aus Wien transportfähig und wurde mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus geflogen.

Parallel zu diesem Einsatz wurde die Bergrettung Reichenau um 15.20 Uhr erneut alarmiert: Im Bereich Ottohaus war abermals eine Person aus Wien gestürzt. Die 61-jährige Frau hatte sich eine offene Unterarmfraktur zugezogen. Zwei Bergretter fuhren mit der Seilbahn auf die Rax und von dort mit dem Einsatzfahrzeug zum Ottohaus. Vor Ort wurde der Unterarm versorgt und mit einem SAM Splint geschient. Anschließend wurde die Frau zur Bergstation und weiter ins Tal gebracht, wo sie dem Rettungsdienst übergeben wurde.

Noch während diese beiden Einsätze liefen, ging um 16.22 Uhr die nächste Alarmierung ein. Eine Frau meldete, dass sie sich beim Abstieg vom Krummbachstein verirrt habe und nicht mehr weiter absteigen könne. Die Mannschaft aus dem Einsatz im Großen Höllental machte sich nach abgeschlossener Versorgung in Richtung Zwischenlandeplatz Kaiserbrunn auf den Weg. Ein zweites Team fuhr zum Naturfreundehaus Knofeleben, um bei Bedarf von oben rasch zusteigen zu können. Da zunächst keine genaue Verortung möglich war, wurde in Absprache mit der Alpinpolizei der Polizeihubschrauber zur Erkundung angefordert. Dieser lokalisierte die Frau gegen 17.25 Uhr auf rund 920 Metern Seehöhe im weglosen Absturzgelände zwischen Krummbachgraben und Brettschachersteig. Wegen der langen Zustiegswege und der hohen Steinschlaggefahr wurde eine Taubergung versucht – mit Erfolg. Um 17.47 Uhr landete der Flugretter mit der Frau am Zwischenlandeplatz, wo sie von der Bergrettung übernommen wurde. Die 55-jährige Wienerin erklärte, sie habe ihre Tour per App geplant, um über den weglosen Krummbachgraben ins Tal abzusteigen. Die Hinweisschilder „kein Abstieg ins Tal möglich“ hatte sie übersehen. Glücklicherweise blieb sie unverletzt und konnte nach der Datenaufnahme durch die Alpinpolizei selbstständig die Heimreise antreten.

Das letzte Wochenende brachte die letzten vier Alarmierungen im Mai, wobei jene am Sonntagabend während eines Unwetters nach Rücksprache mit den Betroffenen storniert werden konnte. Am Freitagnachmittag war am Atzberg bei Schwarzau/Gebirge ein Waldbrand ausgebrochen. Unsere Ortsstelle wurde nach 20.30 Uhr zur Unterstützung der Feuerwehr im Steilgelände nachalarmiert. 15 Mitglieder unserer Ortsstelle waren vor Ort oder in der Zentrale in Bereitschaft. Zusätzlich wurden zehn Waldbrandsets mit spezieller Sicherungsausrüstung der Bergrettung Niederösterreich/Wien aus St. Pölten an den Einsatzort gebracht. Um 00.40 Uhr konnte unsere Mannschaft wieder abrücken, nachdem auch die letzten Löschtrupps der Feuerwehr ins Tal zurückgekehrt waren. Wir danken allen Einsatzkräften, insbesondere den eingesetzten Feuerwehren, für ihren Einsatz unter fordernden Bedingungen.

Nach einer kurzen Nacht für einige Bergretter:innen ging am Samstag um 10.53 Uhr die nächste Alarmierung ein. Ein 29-jähriger Mann aus Tschechien war im Klettergarten der Naturfreunde im Weichtalhaus beim Begehen des Übungsklettersteigs von einem Stein am Knie getroffen worden und in sein Klettersteigset gestürzt. Er erlitt dabei eine Knieverletzung unklaren Ausmaßes sowie eine stark blutende Wunde. Die Dienstmannschaft rückte wenige Minuten nach der Alarmierung mit dem Einsatzfahrzeug aus, zwei weitere Bergretter – darunter ein Alpinarzt – folgten zehn Minuten später. Ein in der Nähe kletternder Bergretter unserer Ortsstelle war als Erster am Unfallort, stieg zu dem tschechischen Staatsbürger auf, sicherte ihn und wartete auf die nachrückende Einsatzmannschaft. Rund 20 Minuten nach der Alarmierung war das gesamte Bergeteam vor Ort und begann mit der Erstversorgung. Parallel dazu wurde der Kletterfelsen in Abstimmung mit der anwesenden Polizei für die Bergung gesperrt, um jede weitere Gefahr durch Steinschlag für den Verunfallten, das Bergeteam und andere Alpinisten auszuschließen. Um 11.40 Uhr wurde der Patient schließlich mittels Kaperbergung aus der Wand zum Wandfuß abgeseilt, dort in die Gebirgstrage eingebracht und zum Parkplatz transportiert. Dort wurde der tschechische Mann an den Rettungsdienst zur weiteren Versorgung übergen. Anschließend wurde der Übungsfelsen für die anwesenden Sportler wieder freigegeben und der Einsatz mit dem Abrücken der Mannschaft beendet.

Wir danken allen Einsatzkräften für die ausgezeichnete Zusammenarbeit und Unterstützung und wünschen den verletzten Personen eine gute und rasche Genesung.