Alpin Notruf: 140

Am zweiten Mai-Wochenende stand für unsere Nachwuchsbergretterinnen und -bergretter bereits der nächste Termin des Frühlingsblocks an. Eigentlich hätte der Tag ganz ruhig mit einem „Slow Morning“ und einem entspannten Theorieblock in der Zentrale beginnen sollen. Doch weil ab den Mittagsstunden Gewitter als Vorboten der Eisheiligen angekündigt waren, wurde das Programm kurzerhand über den Haufen geworfen. Stattdessen schnappten sich zwei Ausbildner die diesmal kleinere, dafür umso motiviertere Gruppe von 8 Kids und Jugendlichen, und gemeinsam ging es in die Adlitzgräben zum Klettern. Mit dabei war wieder Edelhelfer Robert, besser bekannt als „Smoki“ – ein absolutes Vorbild für den Nachwuchs. Mit mehr als 40 Jahren Erfahrung als aktiver Bergretter und noch etlichen Jahren mehr als Alpinist und Abenteuerer ist er eine alpinistische Wunderkiste, aus der scheinbar unerschöpflich Wissen, Können und Geschichten hervorkommen.

Kurz nach 10.00 Uhr standen die Autos bereits am Parkplatz, und nach nur 10 Minuten Zustieg war unser Ziel für diesen Tag erreicht: der „Spielplatz“, wie der ausgewählte Sektor passenderweise heißt. Und sein Name hält, was er verspricht. Griffiger Fels, nicht zu „speckig“, gut abgesichert und im Schwierigkeitsgrad 4 bis 6 – perfekt, um sich auszuprobieren. Nachdem beim letzten Termin einige unserer Nachwuchskletterer bereits erste Vorstiegserfahrung sammeln durften, lag der Schwerpunkt diesmal ganz auf der Klettertechnik. Dafür wurden vom Bergrettungsteam vier Top-Rope-Routen vorbereitet. Zum Aufwärmen ging es in die Route „Zulu“, eine feine kurze Kletterei im 4. Schwierigkeitsgrad. Dort konnten die Kids Vertrauen in den Halt ihrer Kletterschuhe auf Tritten und Leisten gewinnen und gleichzeitig verschiedenste Griff- und Steigtechniken üben. An den drei weiteren Routen – „Mimmelitt“ (6-, 5c), „Rostiger BH“ (6-/5c) und „Affentanz“ (6+/6a) – war der Nachwuchs dann richtig gefordert. So mancher machte dabei Bekanntschaft mit einem Top-Rope-Sturz ins Seil – ebenfalls eine wichtige Erfahrung, denn sie zeigt, dass man gut gesichert seine Grenzen austesten und Schritt für Schritt verschieben kann. Und für das eine oder andere Gruppenmitglied wurde dieser Tag sogar zu einem besonderen Meilenstein: die erste „Sechs“ im Top Rope. Ganz, ganz toll.

Nach fast 3 Stunden Kletterei und mit dem ersten Regentropfen, begleitet von dunklem Gewittergrollen, war klar: Jetzt musste alles schnell gehen. Die Expressen wurden eingesammelt, die Top-Rope-Stände abgebaut und die Seile abgezogen. Doch das nächste Abenteuer wartete bereits auf den Nachwuchs – es ging in die Falkensteinhöhle. Für den Beginn dieser Übung wurden vier Zweierteams gebildet. Mit verbundenen Augen, nur mit einem Stofftuch vor den Augen und auf ihr Team vertrauend, sollten sie die Höhle erkunden und so weit wie möglich in sie vordringen – immer nur so weit, wie sie sich als Zweierteam zutrauten. Durch permanente Kommunikation und durch das genaue Beschreiben dessen, was sie fühlten, gelang es einem der vier Teams tatsächlich, bis zum Ende der Höhle vorzudringen. Dieses Team übernahm anschließend die Führung, um die gesamte Gruppe bis in die hinterste Kammer der Falkensteinhöhle zu lotsen – auch diesmal wieder mit verbundenen Augen. Alle Gruppenmitglieder hielten dabei durch das Auflegen der Hand auf die Schulter der Vorperson Kontakt, während die Anführer die Umgebung beschrieben und so alle auf die nächsten Hindernisse vorbereiteten. Auf allen Vieren schafften es schließlich alle (!) Mitglieder durch die stellenweise nur 1 Meter hohe Höhle bis zur letzten Kammer. Dort durften sie die Tücher abnehmen, und das Ausbildungsteam schaltete die Stirnlampen ein, sodass die Jugendmitglieder endlich sehen konnten, was sie gemeinsam als Team geschafft hatten. Der Jubel und die Freude waren riesengroß. Anschließend ging es noch einmal im völligen Stockdunkel, diesmal ohne Tuch, zurück bis zum Höhlenausgang, wo bereits das Gewitter tobte und strömender Regen niederprasselte. Eine gute Gelegenheit, das von der Höhle schmutzige Gewand gleich wieder ein wenig abzuspülen. 😊

Der Weg zurück zum Auto wurde dann mit schnellen Schritten in Angriff genommen, und im Anschluss ging es noch zum nahen Wohnhaus von zwei Jugendbergrettungsmitgliedern. Dort wurden wir von deren Eltern herzlich zu Kaffee, Kakao, Kuchen und Keksen eingeladen – ein gemütlicher Ausklang nach einem Tag voller Bewegung, Mut und Abenteuer. Vielen Dank an dieser Stelle. Ganz, ganz toll!!

Bei einer abschließenden Feedbackrunde wurde der erlebnisreiche Tag noch einmal gemeinsam rekapituliert, und die Vorfreude auf den Termin im Juni war bereits deutlich spürbar. Eines ist jetzt schon sicher: Auch dann wird es wieder richtig spannend. Wir werden berichten.