Die Sommerferien sind zwar zu Ende gegangen, das Einsatzgeschehen bleibt jedoch weiterhin überdurchschnittlich hoch. Seit unserem letzten Update am 24. August wurde unsere Ortsstelle zu elf weiteren Einsätzen alarmiert.
Besonders fordernd war eine mehrstündige Bergung am darauffolgenden Samstagabend, die zu einer mehrstündigen Bergung, die bis weit nach Mitternacht andauern sollte. Drei junge Männer aus Wien waren in den Morgenstunden von Hinternaßwald über den Nasskamm und das Zahme Gamseck, einen leichten Klettersteig der Schwierigkeit A, auf die Rax aufgestiegen. Erst nach knapp neun Stunden (!) Gehzeit erreichten sie gegen 17:00 Uhr den höchsten Punkt der Rax, die Heukuppe (2007m).
Anschließend beschlossen sie, über die Wildfährte, einen deutlich anspruchsvolleren Klettersteig der Schwierigkeit B mit mehreren ausgesetzten sowie teilweise unversicherten Passagen, ins Tal abzusteigen. Im Verlauf des Abstiegs gerieten die drei in die Dunkelheit, verloren mangels Stirnlampen die Orientierung und gerieten schließlich in absturzgefährliches Gelände.
Um 20:46 Uhr setzten sie einen Notruf ab. Sie gaben an, unverletzt, jedoch unterkühlt zu sein. Zudem verfügten sie über keinerlei für Klettersteige notwendige Ausrüstung wie Helm, Klettergurt oder Klettersteigset.
Ein achtköpfiges Rettungsteam der Bergrettung Reichenau sowie die Alpinpolizei rückten umgehend aus und fuhren zunächst bis zum Rehboden. Von dort erfolgte der anspruchsvolle Zustieg zu Fuß. Nach rund zwei Stunden konnte Sicht- und Rufkontakt hergestellt werden. Die drei Personen wurden etwa 50 bis 100 Meter vom Klettersteig entfernt auf einem Felskopf lokalisiert, oberhalb eines mehrere hundert Meter tiefen Felsabbruchs.
Ein Teil der Mannschaft errichtete ein Seilgeländer bis zum Wandfuß und kletterte zu den jungen Männern auf. Diese wurden sofort provisorisch gesichert, bevor ihnen die notwendige Ausrüstung wie Klettergurte, Helme, Klettersteigsets und Stirnlampen angelegt wurde. Gleichzeitig wurde ihr Gesundheitszustand überprüft. Parallel sicherte das zweite Rettungsteam den Abstiegsweg mit zusätzlichen Seilen an jenen Stellen, an denen keine Stahlseile vorhanden waren, und bereitete die erforderlichen Abseilstellen vor.

Nach rund 20 Minuten konnten die drei 18-Jährigen vom Felskopf abgeseilt und zurück zum Klettersteig begleitet werden.
Von dort wurden sie am kurzen Seil sowie über Klettersteig- und Seilgeländer gesichert talwärts geführt. Die letzten 70 Meter mussten sie schließlich bis zum Einstieg abgeseilt werden. Danach erfolgte der Abstieg über Wanderweg, Schotterkegel und Wald zu den Einsatzfahrzeugen.
Am Parkplatz in Hinternaßwald wurden die drei jungen Männer an ihre verständigten Eltern übergeben. Mit dem Einrücken in die Zentrale konnte schließlich um 01:17 Uhr das Einsatzende vermeldet werden.
Doch auch schon in den Wochen zuvor galt es für unsere Ortsstelle, einige Einsätze abzuarbeiten.
Am 25. August ging kurz nach 16:30 Uhr die Alarmierung von drei 21-jährigen Niederösterreicher:innen ein, die sich in der Weichtalklamm verirrt hatten und nicht mehr selbstständig absteigen konnten. Da die drei keine Angaben zu ihrem Standort machen konnten, wurden zwei Bergrettungsteams entsandt: eines vom Höllental aus, das andere vom Ausstieg der Klamm knapp unterhalb der Kienthalerhütte. Parallel dazu wurde der Polizeihubschrauber zu einem Suchflug alarmiert.
Etwas mehr als eine Stunde nach Beginn des Sucheinsatzes konnten die Vermissten vom Hubschrauber nach der dritten Klamm lokalisiert werden. Eine Taubergung war jedoch nicht möglich. Kurz darauf erreichte die Bergrettung zwei der drei gesuchten Personen. Die dritte Person blieb zunächst vermisst, da sich die Gruppe getrennt hatte und der junge Mann eigenständig durch wegloses Gelände weitergegangen war. Deshalb wurde ein drittes Bergrettungsteam in Richtung Lärchkogelgrat entsandt. Die beiden Frauen wurden währenddessen zum Ausstieg der Klamm begleitet und anschließend mit dem Bergrettungsfahrzeug ins Tal gebracht. Wenig später konnte die Polizei auch die dritte Person ausfindig machen. Sie befand sich bereits im Weichtalhaus, hatte sich jedoch nicht bemerkbar gemacht. Nach knapp vier Stunden konnte der Einsatz beendet werden.
Bereits am nächsten Tag erlitt eine 72-jährige Einheimische am Lackerboden des Schneebergs einen Kreislaufkollaps. Die Erstversorgung erfolgte durch den Hüttenwirt der Knofeleben, der zugleich Bergretter unserer Ortsstelle ist. Die ausgerückte Mannschaft brachte die Frau mit dem Bergrettungsfahrzeug ins Tal, wo sie vom Rettungsdienst übernommen und ins Krankenhaus transportiert wurde.
Am 30. August 2026 wurden wir aufgrund eines Vergiftungsverdachts alarmiert. Ein 16-jähriger Jugendlicher hatte vermutlich Eisenhut, eine hochgiftige Pflanze, berührt beziehungsweise in den Mund genommen. Über Notruf Niederösterreich wurde umgehend der Rettungshubschrauber Christophorus alarmiert. Dieser nahm den Patienten in der Nähe des Ottohauses auf und flog ihn zur weiteren Behandlung in eine Wiener Klinik.
Am selben Tag erlitt eine Niederösterreicherin eine Knöchelfraktur. Die Erstversorgung erfolgte durch den Hüttenwirt des Waxriegelhauses, ebenfalls Bergretter unserer Ortsstelle. Die Dienstmannschaft übernahm anschließend den Abtransport ins Tal.
Knapp eine Woche später brach sich eine 36-jährige Frau im Bereich des Habsburghauses zwei Zehen, wodurch ein selbstständiger Abstieg nicht mehr möglich war. Um ihr den langen Transport in der Gebirgstrage zu ersparen, wurde in Absprache mit Notruf Niederösterreich der ÖAMTC-Rettungshubschrauber alarmiert, der die Patientin ausflog.
Zwei Tage später klagte eine schwangere Frau aus Reichenau über akute Atembeschwerden. Die Bergrettung verständigte die Flugrettung, die die Patientin zur weiteren Behandlung und Kontrolle in ein Krankenhaus brachte.
Am 11. September 2026 erlitt eine 66-jährige Frau aus der Steiermark kurz vor 20:00 Uhr am Naturfreundehaus auf der Knofeleben einen Kollaps, begleitet von Erbrechen und Atemnot. Wenige Minuten nach der Alarmierung rückte ein Bergrettungsteam gemeinsam mit einem Rettungswagen aus. Nach der Erstversorgung wurde die Patientin mit dem Rettungswagen ins Tal transportiert.
Der nächste Einsatz folgte am 13. September. Beim Abstieg von der Waldfreundehütte am Obersberg hatte sich ein 65-jähriger Mann aus dem Bezirk Mödling den Knöchel gebrochen. Ein Bergrettungsteam stieg zu dem Verletzten auf. Nach der Erstversorgung und Schienung wurde er zur nächstgelegenen Forststraße gebracht und anschließend mit dem Bergrettungsfahrzeug ins Tal transportiert.
Am 15. September kam es schließlich zu zwei Einsätzen am Törlweg. Beim ersten Einsatz stürzte ein 74-jähriger Mann auf rund 1.500 Metern Seehöhe infolge körperlicher Überanstrengung auf sein Knie und verletzte sich dabei so schwer, dass weder Auf- noch Abstieg auf dem steilen Wanderweg möglich waren. Die Einsatzmannschaft fuhr in Richtung Zwischenlandeplatz, um bei Bedarf nahe dem Einsatzort abgesetzt zu werden. Glücklicherweise konnte die Crew des Rettungshubschraubers den Verletzten direkt vor Ort versorgen und per Tau bergen. Nach der gemeinsamen Versorgung am Zwischenlandeplatz in der Kleinau wurde er ins Landesklinikum Wiener Neustadt geflogen.
Nur rund 60 Minuten später folgte die nächste Alarmierung. Eine 65-jährige Niederösterreicherin hatte die Länge des Törlwegs unterschätzt und konnte aufgrund von Erschöpfung nicht mehr selbstständig absteigen. Ein Bergrettungsteam stieg zu ihr auf und brachte sie sicher ins Tal.
Wir wünschen allen Betroffenen eine rasche und vollständige Genesung. Gleichzeitig appellieren wir einmal mehr an alle Bergsportlerinnen und Bergsportler, ihre Touren sorgfältig und ihrem Leistungsvermögen entsprechend zu planen, Wetter und Tageslichtreserven zu berücksichtigen sowie die notwendige Ausrüstung mitzuführen. Und wir danken allen unseren ehrenamtlichen Mitgliedern sowie den Einsatzkräften von Polizei, Rettung, ÖAMTC & Co für die ausgezeichnete Zusammenarbeit.
Genießt den Wanderherbst.