Alpin Notruf: 140

Das lange Pfingstwochenende brachte wechselhaftes, teilweise sehr nasses und stürmisches Wetter. Leider blieb das lange Wochenende für unsere Ortsstelle nicht einsatzfrei, insgesamt zu drei Einsätzen wurden unsere ehrenamtlichen Bergretterinnen und Bergretter gerufen.

Alarmierung Nummer 1 ging am Samstag um 17.51 Uhr. Zu dieser Zeit gingen – wie von den Wetterdiensten prognostiziert – kräftige Gewitter und Regenschauer im Rax-Schneeberg-Gebiet nieder. Von der Alpinpolizei wurden wir informiert, dass sich zwei Personen am Königschusswandsteig (Klettersteig der Kategorie D/E) in Bergnot befinden und aufgrund der Witterung nicht weiterkommen. Trotz der gefährlichen Wetterlage wurde ein Bergeteam zusammengestellt, welche mit der Seilbahn (Sonderfahrt um 18.45h Uhr) auf das Plateau fahren, um von dort zum Ausstieg des Klettersteiges zu gehen. Kurz vor dem Ausrücken konnte Entwarnung gegeben werden. Die Alpinpolizei erreichte die beiden, die angaben, dass sich das Wetter wieder gebessert hatte und sie eigenständig den Ausstieg geschafft hatten.

Alarmierung Nummer 2 erreichte uns gestern am Pfingstmontag um 15.00 Uhr. Zwei ungarische Staatsbürger befanden sich zu dieser Zeit am Preinerwandsteig (A/B, 1+). Die weibliche Begleiterin traute sich bei einer seilversicherten Querung den weiteren Aufstieg nicht mehr zu und klagte über Erschöpfung. Auch in diesem Fall wurde eine Einsatzmannschaft zusammengestellt und fünf Bergretter fuhren zum Zwischenlandeplatz am Fuße der Rax, um sich mit der ebenfalls alarmierten Flugpolizei und Alpinpolizei zur Lagebesprechung zu treffen. Beim Erkundungsflug konnten die Personen ca 100 Höhenmeter unterhalb des Ausstiegs lokalisiert werden. Aufgrund des sich verschlechternden Wetters (Nebel, Regenschauer), wurde beschlossen, die erschöpfte Ungarin mittels variablem Tau durch den Polizeihubschrauber zu bergen und am Zwischenlandeplatz der Bergrettung zu übergeben. Der männliche Begleiter (unverletzt und in guter körperlicher Verfassung) verweigerte die Bergung und stieg alleine auf das Plateau weiter auf, um von dort über den Holzknechtsteig ins Tal abzusteigen. Das Bergeteam brachte die 34-jährige Ungarin, welche völlig unzureichend ausgerüstet war (keine warme Kleidung, keine Wanderschuhe,…) zu ihrem KFZ und rückte anschließend in die Zentral ein. Um 17.22 Uhr konnte Einsatzende vermeldet werden.

Die dritte und damit letzte Alarmierung ging schließlich um 23.05 Uhr ein. Ein 30-jähriger Mann aus Niederösterreich gab bei Notruf NÖ an, dass sein Wiener Freund alleine zu einer Wanderung aufgebrochen sein und er keinen Kontakt mehr zu ihm herstellen konnte. Die Abklärung durch Polizei und Alpinpolizei ergab weiters die Möglichkeit des Suizids. Auch konnte das Ziel der Wanderung eruiert werden, das Natufreundehaus auf der Knofeleben. Der Hüttenwirt, der ebenfalls Bergretter unserer Ortsstelle ist, suchte gemeinsam mit einem Hundeführer der Polizei und dessen „Spürnase“ den Nahbereich der Hütte sowie die umliegenden Forst- und Wanderwege ab. Da der Vermisste öffentlich angereist war, suchte die zusammengestellte Einsatzmannschaft die Forststraßen und Wege im Ausstieg der sog. Eng als auch in Richtung Bahnhof Payerbach ab. Ein nachtsichttauglicher Hubschrauber des BMI überflog den Abstiegsweg von der Knofeleben in Richtung Eng. Um 01.35 Uhr konnte schließlich der gesuchte 29-jährige Wiener im Mitterberggraben am Boden liegend aufgefunden werden. Er war unterkühlt, jedoch unverletzt. Er konnte in das nahe KFZ gebracht werden und auf der Knofeleben erstversorgt werden. Im Anschluss ging es mit dem Fahrzeug nach Bürg, wo der Person an die Polizei sowie Rettungskräften und einen Angehörigen übergeben werden konnte. Um 02.10 Uhr konnte schlussendlich Einsatzende vermeldet werden.

Wir bedanken uns bei allen Einsatzkräften für die wie immer ausgezeichnete Zusammenarbeit. Und appellieren – so wie jedes Mal – Touren entsprechend dem Eigenkönnen zu unternehmen sowie die Tourenplanung durchzuführen. Dies umfasst auch die Berücksichtigung der Wetterprognose und eine adäquate Ausrüstung.

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