Alpin Notruf: 140

Der Einsatzmarathon setzt sich für unsere Bergretterinnen und Bergretter unvermindert fort. So mussten insgesamt fünf Mal innerhalb von 24 Stunden Bergrettung, Alpinpolizei und Flugrettung rund um Maria Himmelfahrt ausrücken, um in Not geratenen Personen – sowie einem Hund – zu Hilfe zu kommen. Und auch die Tage danach gingen von Sonntag bis Dienstag drei weitere Alarmierungen ein.

Am Donnerstagabend letzter Woche ging die erste Meldung ein: ein Retriever-Labrador-Mischling hatte sich am Ferdinand-Mayer-Weg (Schneeberg) an allen vier Pfoten verletzt und konnte nicht mehr zum Weitergehen bewegt werden. Ein Bergeteam stieg mit Gebirgstrage zum Einsatzort zu und nach der Versorgung des Vierbeiners wurde dieser mittels Trage zur Forststraße transportiert, um anschließend gemeinsam mit dem Besitzer per Einsatzfahrzeug zum Bahnhof geführt zu werden.

Am darauffolgende Feiertag setzte ein Ansturm von Bergsportlern und Ausflüglern auf unser Einsatzgebiet ein, der leider auch zu einem fordernden und intensiven Arbeitstag für unsere ehrenamtlichen Bergretter:innen führte. Bereits am Vormittag um kurz vor 11.00 Uhr wurden von Notruf NÖ alarmiert, nachdem eine 45-jährige Wienerin sich im Bereich der Dirnbacherhütte auf der Rax Verletzungen an beiden Fußgelenken zugezogen hatte. Ein 3-köpfige Vorausmannschaft fuhr mit der Seilbahn auf die Rax und stieg zum Unfallort zu. Parallel wurde die Flugrettung Christophorus 3 verständigt. Diese übernahm die Versorgung und führte anschließend die Taubergung durch. Die zugestiegene Mannschaft unterstütze am Zwischenlandeplatz und übernahm anschließend den Transport des Gebäcks und rückte anschließend wieder in die Zentrale ein.

Parallel zum Einsatz auf der Rax ging um 11.53 Uhr die Meldung eines verletzten Mannes aus dem Bezirk Neunkirchen ein. Dieser hatte sich im Ausstiegsbereich der erst kürzlich wieder zur Begehung freigegebenen Weichtalklamm am Schneeberg schwer an der Schulter verletzt. Ein Bergeteam fuhr mit dem Fahrzeug in Richtung Kienthalerhütte und stieg schließlich von oben zum Unfallort zu. Eine Taubergung durch den ÖAMTC Rettungshubschrauber war nicht möglich, da kein Sichtkontakt im felsigen, dich bewaldeten Gebiet hergestellt werden konnte. Unser Bergrettungsarzt übernahm die Versorgung des Patienten, während die Einsatzmannschaft der Flugrettung die genaue Position mitteilte, um diese für eine Taubergung einzuweisen. Der Patient wurde durch die Bergrettung zu einem geeigneten Platz transportiert und um kurz nach 14.00 Uhr glückte die Bergung durch den Rettungshubschrauber. Der 39-jährige Mann wurde ins Tal zum Zwischenlandeplatz im Weichtal ausgeflogen, von wo es weiter ins Krankenhaus ging. Um kurz vor 14.00 Uhr wurde mit dem Einrücken in die Zentrale Einsatzende vermeldet.

Eine Pause war unseren Kameradinnen und Kameraden jedoch nicht vergönnt, denn bereits um 14.19 Uhr ging die nächste Einsatzmeldung ein. Eine 31-jährige Frau aus Wien war beim Wandern am Göbl-Kühn-Steig (Rax) umgeknöchelt und konnte aufgrund starker Schmerzen nicht weitergehen. Der Hüttenwirt des Waxriegelhauses – ebenfalls Bergretter der Ortsstelle Reichenau – stieg knapp 30min zu und übernahm die Erstversorgung der Verletzten. Die Einsatzmannschaft rückte parallel abermals aus, um die verständigte Flugrettung Christophorus 15 am Zwischenlandeplatz zu unterstützen. Und vor Ort zu sein, sollte die Bergung aus der Luft nicht möglich werden. Um 15.32 Uhr glückte die Bergung durch den Rettungshubschrauber und die Mannschaft konnte wieder in die Zentrale im Anschluss einrücken.

Den Abschluss dieses einsatzreichen Tages bildete eine Taubergung aus einer Klettertour in der Großofenwand (Schneeberg). Zwei junge Polinnen befanden sich im oberen Bereich des Joe Stickler Gedächtnisweges, einer 13 Seillängen-Route im oberen 6. Schwierigkeitsgrad und hatten um 17:40 den Notruf gewählt, da sie sich den weiteren Aufstieg nicht mehr zutrauten. Da kein Hubschrauber des Innenministeriums, der im alpinen Bereich die Rettung unverletzter Personen übernimmt, verfügbar war, bereitete sich eine 8-köpfige Mannschaft der Bergrettung Reichenau auf eine terrestrische Bergung vor und stieg zum
Einsatzort auf. Die geplante Taubergung konnte jedoch ersatzweise vom Notarzthubschrauber Christophorus 3 übernommen werden. Kurz vor 19Uhr30 wurden die beiden unverletzten, aber erschöpften Frauen vom Hubschrauber im Tal abgesetzt. Um kurz vor 20.00 Uhr endete einer der einsatzreichsten Tage dieses Sommers.

Der Samstag blieb dann – überraschenderweise, trotz gutem Bergwetters – einsatzfrei, sodass unsere Teams durchatmen und sich der technischen Fortbildung widmen konnten. Am späten Nachmittag des Sonntags wurde dann abermals der Notruf gewählt. Zwei junge Frauen – wie sich herausstellte die selben beiden Polinnen, die bereits am Freitag in Bergnot gerieten waren – benötigten abermals Hilfe. Sie hatten beim Klettern in der Stadelwand die Orientierung verloren und fanden nicht mehr den Weg zurück ins Tal. Eine Einsatzmannschaft rückte abermals aus und auch die Libelle des BMI rückte aus, um die Personen zu verorten. Die beiden konnten im weglosen Gelände von der Crew des Polizeihubschraubers geortet werden und aufgrund der mittlerweile fortgeschrittenen Uhrzeit als auch des langen Zustiegs für die Bergrettung, wurde die Taubergung in die Wege geleitet, die um 18.45 Uhr mit der Landung am Zwischenlandeplatz und der Übergabe der beiden an die Bergrettung erfolgreich abgeschlossen werden konnte.

Am Mittwoch dieser Woche schließlich die nächsten beiden Einsätze. Mittags verletzte sich eine 68-jährige Niederösterreicherin in der Nähe des Ottohauses. Die Bergrettung übernahm die Koordination des Einsatzes, die Bergung erfolgte durch den Rettungshubschrauber Christophorus 3. Nach knapp 1,5 Stunden wurde der Einsatz mit dem Abflug in Richtung Krankenhaus erfolgreich beendet. Ein zweiter, langwieriger Einsatz ging um 22.15 Uhr ein. Einwohner von Reichenau hatten Lichtsignale im Bereich Feuchtaberg wahrgenommen und daraufhin die Polizei verständigt. Diese konnte schließlich eruieren, dass drei junge Frauen aus der Slowakei in der Dunkelheit den Weg verloren und in Absturzgelände des Saurüssels festsaßen. Aufgrund der Dunkelheit war eine Bergung aus der Luft nicht möglich. Die Bergrettung konnte glücklicherweise telefonisch Kontakt aufnehmen – die Personen gaben an unverletzt zu sein, jedoch konnten sie keine Angaben zur ihrer Position geben. Um 22.53 Uhr rückte ein 8-köpfiges Berge- und Suchteam aus und begann mit dem mühevollen, steilen Aufstieg über einen unmarkierten Steig. Nach ca einer Stunde konnte erstmals Rufkontakt aufgenommen werden und kurz danach traf das Team der Bergrettung bei den Personen ein. Diese saßen direkt an einer 50m hohen Abbruchkante, waren völlig durchnässt und unterkühlt. Aufgrund der Lage stiegen nur 3 Bergretter zu den Personen ab, nahmen die Versorgung der Personen mit wärmender Kleidung vor und sicherten diese. Parallel wurde ein Seilgeländer aufgebaut, über die die Personen gesichert aus dem direkten Absturzgelände geführt werden konnten. Im Anschluss musste über ca 150 Höhenmeter ein Seilgeländer aufgebaut werden, um die drei slowakischen Staatsbürgerinnen aus der fest- und baumdurchsetzten Steilrinne zu bringen. Nach dem Wärmemanagement, dem Verabreichen von warmen Getränken (Tee) ging es schließlich am kurzen Seil gesichert zurück zum Steig und über diesen – abermals war teilweise der Aufbau eines Seilgeländers zur Sicherheit der Personen notwendig – zu Tal. Um 02.10 Uhr traf das Bergeteam mit den drei Personen bei der Alpinpolizei und dem Bergrettungsfahrzeugen auf einer Forststraße ein. In der Zentrale stellte sich in der Befragung durch die Polizei heraus, dass die drei jungen Frauen bereits zwei Tage unterwegs waren, eine Nacht dabei unter freiem Himmel biwakiert hatten. Für ihr Unternehmen waren die drei jedoch mehr als mangelhaft ausgerüstet (keine warmen Jacken, keinen Schlafsack, Sneakers statt Bergschuhe, Jogginghosen,…). Um kurz vor 02.30 Uhr konnte schließlich Einsatzende vermeldet werden und sind froh, dass die drei unverletzt geblieben sind.

Wir wünschen allen Geretteten und Verletzten gute Besserung und appellieren eine adäquate Tourenplanung zu machen.

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