Alpin Notruf: 140

Das erhöhte Einsatzgeschehen für die Ortsstelle Reichenau geht auch im Juli weiter. Nach zwei Tagen Verschnaufpause ging gestern Dienstag um 15.37 Uhr eine weitere Alarmierung ein. Ein 68-jähriger Mann aus Wien gab an, im Bereich ehemalige Jagdhütte Brettschacher den nicht markierten Steig verloren zu haben und erschöpft zu sein. Nach Abklärung der weiteren Schritte in der Einsatzleitung (Alpinpolizei, Polizei, Bergrettung) rückte um 16.15 Uhr der erste Suchtrupp in Richtung Zwischenlandeplatz aus. Die ebenfalls verständigte Flugpolizei überflog den Bereich südlich des Grafensteiges. Jedoch konnte im dicht bewaldeten, von Felsabbrüchen durchzogenen Waldgebiet keine Person ausfindig gemacht werden.

Die Libelle des BMI landete daraufhin am Zwischenlandeplatz, um die ersten beiden Bergretter sowie einen Alpinpolizisten aufzunehmen. Diese wurde schwebend westlich des Krummbachsattels am Schneeberg abgesetzt. Die Alpinpolizei verblieb am Landeplatz, um den zweiten Suchtrupp anschließend zu übernehmen. Die ersten beiden Bergretter begannen um 16:59 Uhr mit dem mühevollen Abstieg im – nach den Unwettern der letzten Monaten – zumeist weglosem Gelände in Richtung Brettschacher – Krummbachgraben, wo die Person aufgrund der GPS Koordinaten verortet werden konnte.

Der erste Suchtrupp suchte den Steig in Richtung verfallene Jagdhütte Brettschacher sowie die Felsabbrüche ab, der nun nachgekommene zweite Suchtrupp stieg mit dem Alpinpolizisten das Blockgelände des Krummbachgrabens ab. Die Libelle kehrte zum Zwischenlandeplatz zurück und blieb in Bereitschaft.

Um 17.32 Uhr konnte der erste Suchtrupp – an einem Felsabbruch oberhalb des Krummbachgrabens – Rufkontakt mit der gesuchten Person aufnehmen. Diese befand sich im weglosen Talgrund, ca 150 Hm unterhalb der Suchtrupps. Die zweite Suchmannschaft wurde mittels Funk über den erfolgreichen Kontakt informiert und die ungefähre Position der gesuchten Person übermittelt.

Knapp 15min nach dem erstmaligen Rufkontakt, konnte der Wanderer auf ca 840m Seehöhe vom zweiten Suchtrupp aufgefunden werden. Der Wiener gab an unverletzt, jedoch erschöpft zu sein. Er war bereits um 08.30 Uhr vom Bahnhof in Puchberg gestartet und über die Hengsthütte zur Station Baumgartner gewandert, wo er eingekehrt war. Seinen Plan, über den Krummbachstein auf das Naturfreundehaus auf der Knofeleben zu gehen, verwarf er (aufgrund Müdigkeit und Hitze) und wollte stattdessen den Wassersteig für den weiteren Zustieg zur Hütte nutzen. Leider verpasste er diesen und geriet in den weglosen Krummbachgraben. Der Wanderer führte keine analoge/digitale Wanderkarte mit, die bei der Orientierung geholfen hätte.

Nach einem kurzen medizinischen Check durch den Bergrettungsarzt wurde beschlossen, den Wanderer mittels variablem Tau der Libelle aus dem Graben zu fliegen, da ihm der kräftezehrende Abstieg im Krummbachgraben bzw der nochmalige Aufstieg im steinschlaggefährdetem Graben nicht zumutbar war. Die Flugpolizei wurde von der Einsatzmannschaft zu einer kleine Lichtung navigiert, wo die Taubergung durchgeführt werden sollte. Um kurz nach 18.00 Uhr startete diese und der Flight Operator der Libelle nahm den Wanderer und Alpinpolizisten am Tau entgegen und aus dem Graben bergen. Am Zwischenlandeplatz in Hirschwang wurde der Wiener von der Bergrettung sowie der Polizei übernommen.

Die Suchmannschaft der Bergrettung begann nach der durchgeführten Taubergung mit dem fordernden Abstieg durch den weglosen, von den Starkniederschlägen der letzten Monate gezeichneten Krummbachgraben nach Kaiserbrunn, wo sie um kurz vor 19.00 Uhr eintrafen. Um 19.23 Uhr konnte der Einsatz mit dem Einrücken der Bergemannschaft in der Zentrale in Reichenau Einsatzende vermeldet werden.

Wir möchten uns bei der Crew der Libelle des BMI sowie der Alpinpolizei für die ausgezeichnete Zusammenarbeit bei diesem Einsatz bedanken. Und auch dem SC Hirschwang, die den Fußballplatz kurzerhand für die Zwischenlandung zur Verfügung gestellt hat. Der – wie übliche – Hinweis, dass eine entsprechende Tourenplanung sowie das Mitführen einer analogen/digitalen Wanderkarte essentiell ist, sei uns zum Abschluss gestattet. Und der Hinweis, dass der Krummbachgraben für einen Auf- oder Abstieg nicht geeignet. Dieser erfordert Gebietskenntnis, Orientierung und alpine Erfahrung im weglosen, steinschlaggefährdeten Gelände.

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