Alpin Notruf: 140

Damit im Einsatzfall jeder Handgriff sitzt, nutzen unsere Bergretterinnen und Bergretter die zumeist ruhigere Zeit im Herbst („nur“ zwölf Einsätze seit dem Ende der Sommerferien) für umfassende Trainingssessions und Einsatzübungen. Mitte Oktober ging es daher bei zwei spektakulären und zT technisch fordernden Übungen mehr als zur Sache. Und unsere Teams konnten der Ausbildungsleitung ihre Kompetenz am Fels und bei Bergungen unter Beweis stellen.

Am Samstag, dem 11. Oktober ging es für 13 Mitglieder unserer Ortsstelle nach einem gemeinsamen Frühstück und der Lagebesprechung ins Große Höllental. Um zum Übungsort, der Gaisbauerwand zu gelangen, mussten die Teilnehmer der Übung ein 140m langes Seilgeländer durch den Blechmauernsteig (SG 2) aufbauen. Am Grat angekommen, wurde der „Arbeitsbereich“ durch ein weiteres Seilgeländer abgesichert, sodass die Absturzzonen gut erkennbar waren. In diesem Bereich wurden diverse Flaschenzugtechniken wiederholt sowie neueste Techniken geschult.
Im Anschluss wurde in den Modernen Höhlensteig (SG 6+) abgeseilt und durch diesen abermals ein Seilgeländer errichtet, um die Mannschaft zügiger durch die Höhle zu führen. Danach galt es mit der Gebirgstrage über die 80m hohe Gaisbauerwand bis zum Einstieg der Kletterrouten und im Anschluss weitere 40m bis zum Wandfuß abzuseilen. Alle Kameradinnen und Kameraden – auch unsere neuesten Bergretter:innen in Ausbildung – meisterten den Übungstag mit Bravourös.

Ein weitere, spektakuläre Übung fand am 18. Oktober, abermals im Großen Höllental statt. Die Übungsannahme war, dass ein Vater mit seinen zwei Kids (gespielt von zwei Mitgliedern unserer Jugendbergrettung) auf einem Klettersteig im Höllental in Bergnot geraten waren. Der Vater war aufgrund fehlender Klettersteigausrüstung abgestürzt und verletzt in einer Rinne auf knapp 1100m Seehöhe zu liegen gekommen. Die beiden Kinder befanden sich ungesichert oberhalb am Steig. Der Vater konnte den Notruf absetzen, jedoch keine Angaben zum Unfallort bzw dem begangenen Klettersteig geben. Soweit die Annahme des sehr realistischen Szenarios, nachdem unsere Ortsstelle leider regelmäßig zu Einsätzen im Großen Höllental gerufen werden.
Die Kälte (knapp über Nullgrad), Nebel am Berg als auch die Dunkelheit kamen erschwerend hinzu, weshalb die Ortsstelle Reichenau von der Drohnengruppe der Bergrettung NÖ/W unterstützt wurde. Die Bergeteams fuhren ins Große Höllental, um mit der Drohne die Klettersteiganlagen im Großen Höllental abzusuchen. Parallel machte sich ein Team der Bergrettung Reichenau sowie eine Kameradin der Bergrettung Wienerwald Süd bereit für den Aufstieg mittels Gebirgstrage. Nachdem die Suche am Gaislochsteig durch die Drohne negativ verlief, konnten schließlich – trotz Bewaldung – die gesuchten Personen mittels Wärmebildkamera sowie Suchscheinwerfer erfolgreich lokalisiert werden. Die ermittelten GPS Koordinaten wurden an das Bergeteam übermittelt, welche den Aufstieg über den AV-Steig begann.
Ein Voraustrupp mit zwei Bergrettern traf nach ca 45min Aufstieg an der Unglücksstelle ein und konnte – dank der Unterstützung der Drohnenstaffel, die den Einsatzbereich mittels Scheinwerfer ausleuchtete, sich ein Bild der Lage machen. Der Vater war fast 30m unterhalb des Weges in Steinschlaggelände zu liegen gekommen. Die Kinder befanden sich ungesichert (und mangelhaft ausgerüstet) am Weg, jedoch ebenfalls im Absturzgelände. Diese wurden sofort aus dem Gefährdungsgelände gebracht, gesichert und das Wärmemanagement durchgeführt. Im Anschluss – das restliche Bergeteam war nun ebenfalls eingetroffen –  wurde ein Standplatz aufgebaut und die Gebirgstrage mit zwei Rettern am Seil gesichert zur verletzten Person abgelassen. Während der Versorgung des Patienten wurden der notwendige Flaschenzug vorbereitet, um die Person sowie das Bergeteam wieder zurück auf den Steig zu ziehen. Nach der erfolgten Bergung des abgestürzten Vaters wurde der gesicherte Abstieg begonnen.
Das Highlight der Übung war schließlich das Abseilen der Mannschaft zum Einstieg des Alpenvereinsteigs. Über fast 70m seilte sich das Bergeteam und auch die beiden Kinder – beides Jugendbergretter (9 und 11 Jahre alt) unserer Ortsstelle – über den überhängenden Felsen in die Dunkelheit ab, nach wie vor unterstützt durch den Scheinwerfer der Drohne. Um kurz nach 23 Uhr trafen alle Teilnehmer bei den Fahrzeugen ein und die Einsatzübung konnte erfolgreich beendet werden.

An dieser Stelle drei DANKE. Das erste geht an das Ausbildungsteam unserer Ortsstelle, die mit dem permanenten Schulungs-, Ausbildungs- und Einsatzübungsprogram die Basis für eine einsatzfähige und kompetente Bergrettung Reichenau legt. Das zweite geht an die Crew der Drohnenstaffel Bergrettung NÖ/W für die gemeinsame Übung, mit vielen Learnings und tollen Erfahrungen, wie Drohnen im Einsatzfall unterstützen können. Und das dritte Danke ergeht an unsere Kameradinnen und Kameraden (im Falle der Nachtübung darüber hinaus an unseren Opferdarsteller sowie die beiden Jugendmitglieder) für die Motivation, die Freizeit für ehrenamtliches Engagement zu „opfern“.

Wir wünschen allen einen wunderschönen Herbst und freuen uns auf eine unfallfreie, schneereiche Wintersaison.

 

 

 

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