Alpin Notruf: 140

Die Sommerferien gehen in den Endspurt. Seit unserem letzten Einsatz-Update (siehe Bericht vom 14. Juli 2026) wurde die Ortsstelle Reichenau insgesamt 15 Mal alarmiert. Auffällig ist in diesem Sommer, dass es vor allem in zwei Bereichen vermehrt zu Unfällen kommt: einerseits auf dem Rax-Plateau zwischen altem Schlepplift, Ottohaus und Seeweg, andererseits im Höllental rund um das Weichtalhaus.

Auf der Rax kam es im Sommer gehäuft zu Fußverletzungen, insbesondere im Bereich des Knöchels, die durch Umknicken oder Stolpern verursacht wurden. Auch Personen mit Erschöpfungszuständen mussten mehrfach von unseren Bergretterinnen und Bergrettern versorgt und sicher zurück zur Bergstation gebracht werden – eine Entwicklung, die wohl auch der extremen Hitze dieses Sommers geschuldet ist. Wir empfehlen daher, Touren – insbesondere bei Hitze – entsprechend den körperlichen Voraussetzungen defensiv zu planen, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen (kein Alkohol!) sowie schattige Routen zu wählen beziehungsweise den Kopf mit Hut oder Kappe zu bedecken.

Der zweite Hotspot befand sich rund um das Weichtalhaus – inklusive Stadelwand und Ferdinand-Mayr-Weg. Dort mussten mehrfach Personen nach Stürzen im Klettergarten sowie auf den Übungsklettersteigen durch die Bergrettung versorgt und abgeseilt werden.

Ein schwerer Unfall ereignete sich erst am vergangenen Samstag: Eine 32-jährige Kletterin stürzte in der Stadelwand in der ersten Seillänge der Direkten Richterkante, einer Kletterroute im 6. Schwierigkeitsgrad (oblig), und zog sich dabei schwere Fußverletzungen zu – eine Knöchelfraktur sowie einen Waden- und Schienbeinbruch. Sie und ihr Kletterpartner konnten mit dem ÖAMTC-Rettungshubschrauber geborgen werden. Ein Teil des Reichenauer Bergrettungsteams unterstützte bei der Versorgung der Verunglückten am Zwischenlandeplatz Weichtalhaus, während ein zweites Team die Bergung des Materials (Seil, Rucksack, Express-Schlingen, …) aus der Kletterroute übernahm.

Unsere ehrenamtlichen Bergretterinnen und Bergretter mussten zudem immer wieder abends beziehungsweise nachts ausrücken, um Personen in Not zu helfen. Die beiden letzten Wochenenden brachten beispielsweise jeweils einen Einsatz, der bis weit nach Mitternacht andauerte.

Am Samstag der Vorwoche setzten drei Jugendliche im Alter zwischen 13 und 15 Jahren aus Wiener Neustadt nach 22:00 Uhr einen Notruf ab. Sie waren im Abstieg von der Jubiläumswarte oberhalb von Payerbach einer digitalen Straßenkarte gefolgt und schließlich in der Dunkelheit in wegloses Absturzgelände geraten. Einer der drei stürzte 10 bis 15 Meter ab. Beim Versuch, seinem Freund zu helfen, rutschte auch ein zweiter Jugendlicher ab und verletzte sich unbestimmten Grades. Der unverletzte Jugendliche setzte schließlich den Notruf ab. Bereits 13 Minuten nach der Alarmierung rückte ein erstes Team der Ortsstelle mit einem Bergrettungsarzt aus und konnte die Abgestürzten im Bereich Geyerstein nach rund 45 Minuten finden. Die Verletzungen stellten sich zum Glück als weniger schwerwiegend heraus, sodass die Jugendlichen über das Steilgelände abgeseilt werden konnten und anschließend in Begleitung der Bergrettung eigenständig zum ebenfalls alarmierten Rettungswagen abstiegen.

Eine groß angelegte nächtliche Suchaktion nahm schließlich am heutigen Montagmorgen ein glückliches Ende. Eine 18-jährige Frau aus St. Pölten wurde von ihrer Mutter am Sonntagabend gegen 21:30 Uhr als verirrt gemeldet, nachdem sie diese über WhatsApp informiert hatte, dass sie beim Abstieg von der Rax den Weg verloren habe. Leider konnte sie keine Informationen zu ihrer Abstiegsroute mehr weitergeben, bevor ihr Handyakku leer war. Noch in den Nachtstunden rückten drei Suchtrupps aus und suchten terrestrisch acht Wanderrouten ab, die auf Basis der verfügbaren Informationen infrage kamen. Unterstützung gab es durch die Libelle der Polizei sowie durch die Drohnenstaffel und die Suchhundestaffel der Bergrettung NÖ/W, die bis nach Mitternacht das Gebiet zwischen Rax, Kreuzberg und Saurüssel abflogen – leider ohne Ergebnis. Um 03:30 Uhr wurde der Sucheinsatz unterbrochen und um 06:00 Uhr morgens mit frischen Kräften aus Reichenau sowie weiteren Ortsstellen der Bergrettung NÖ/W nach Ausrufung eines Gebietsalarms wieder aufgenommen.

In den Morgenstunden konnte das Suchgebiet schließlich eingegrenzt werden: Die Suche konzentrierte sich auf das nordöstliche Gebiet der Rax zwischen Hirschwang, Edlach und der Bergstation. Kurz nach 8:00 Uhr kam schließlich die erfreuliche Nachricht: Die Tochter konnte sich telefonisch bei ihrer Mutter melden. Sie hatte die Nacht wohlbehalten im Wald überstanden, war mit Anbruch des Tages weiter ins Tal abgestiegen und zum Bahnhof gewandert. Im Zug konnte sie schließlich ihr Handy wieder aufladen und die positive Nachricht überbringen. Insgesamt standen 35 Bergretterinnen und Bergretter, die vierköpfige Drohnengruppe, Polizei und Alpinpolizei, ein Hubschrauber sowie die Suchhundestaffel der Bergrettung im Einsatz. Wir bedanken uns bei allen Einsatzkräften für die ausgezeichnete Zusammenarbeit, insbesondere in diesen einsatzreichen Sommermonaten.