Die Jugendbergrettung Reichenau zählt aktuell 18 Mitglieder. Für zwei von ihnen, Emil und Mia, endet im Herbst ein wichtiger Abschnitt ihrer Reise: Sie wechseln in die Ausbildungsgruppe unserer Ortsstelle. Dort beginnt für sie die offizielle, mehr als zweijährige Ausbildung zur aktiven Bergretterin beziehungsweise zum aktiven Bergretter. Schon bisher waren sie mit ihrer aufgeweckten Art und ihrem technischen Können von Anfang an Leader und Vorbild für die jüngere Generation in der Gruppe. Im Sommer soll ihr Abschied mit einem würdigen Abschlussfest gefeiert werden, bevor für beide ein neues Kapitel beginnt.
Am vergangenen Wochenende bot sich 10 Jugendmitgliedern die Gelegenheit, einen Blick in die Welt der Bergrettungsausbildung zu werfen. Bei der Sommerübung unserer Ortsstelle durften sie erleben, was es heißt, den Weg zur Bergretterin oder zum Bergretter zu gehen. Dabei standen sie nicht nur am Rand und sahen zu: Gemeinsam mit erfahrenen Bergretterinnen und Bergrettern bildeten sie ein Team und zogen, genau wie 24 erwachsene Mitglieder der Bergrettung, ins alpine Gelände hinaus. Das Wetter zeigte sich dabei ganz im Stil eines echten Bergrettungstags – mit viel Regen und kühlen Temperaturen.
Für die 10 topmotivierten Kids wartete eine anspruchsvolle Aufgabe: Der Zustieg führte über die Schönbrunnerstiege hinauf zum Blechmauernsteig im Großen Höllental, einem alpinen Steig mit Schwierigkeitsgrad 1, der jedoch bei Nässe extrem absturzgefährdet ist. Dort sollte am Steig ein Seilgeländer aufgebaut werden, an dem die gesamte Mannschaft – 10 Kids und 5 Bergretter – gesichert über knapp 200 Höhenmeter bis zum Ausstieg geführt werden sollte. Weil dieser Steig, abgesehen von 2 bis 3 Bolts, kaum abgesichert ist, mussten Bäume, Wurzeln und Sanduhren für mobile Sicherungen genutzt werden.
Während die noch unerfahreneren Kinder am Einstieg des Steigs den Aufbau noch einmal wiederholten, stiegen zwei Jugendmitglieder gemeinsam mit drei Bergrettern in den Steig ein, um das Seilgeländer zu errichten. Dafür mussten Stände aufgebaut, geeignete Sicherpunkte gefunden und das Seil mit einem Mastwurf in den Karabinern fixiert werden. So entstand Schritt für Schritt die „Lebenslinie“, an der das Team sicher seinen Weg fortsetzen konnte.
Anschließend durchstieg das gesamte Team, gesichert am Seil, den Blechmauernsteig bis zum Ausstieg. Dort wurde sofort eine kleine Reflexion durchgeführt. Gerade bei Kindern und Jugendlichen ist dieser Moment besonders wichtig, um ihre Gefühlslage zu verstehen: Wie war das für mich? Wie ist es mir dabei gegangen? Habe ich mich sicher gefühlt? Oder gab es etwas, das mir nicht gepasst hat?
Den Abbau des Seilgeländers übernahmen danach zwei Bergretter aus dem Team. Erst dann führte der Weg weiter über den Wachthüttelkamm zurück ins Höllental – einen Abschnitt, der gerade bei Regen mit seinen unzähligen Leitern und versicherten Stellen nicht zu unterschätzen ist (und in den letzten Jahren immer wieder zu Einsätzen mit abgestürzten und verletzten Wanderern führte).
Doch auch dieser Abstieg wurde bravourös gemeistert. Durchnässt, aber voller Stolz erreichte das 15-köpfige Team am Nachmittag das Ufer der Schwarza. Mit den Bergrettungsfahrzeugen ging es anschließend zurück in die Zentrale. Dort warteten trockene Sachen, eine Nachbesprechung und ein gruppendynamisches Spiel, bevor es zur Stärkung zum Mostheurigen Kobermann in Küb weiterging – ein wunderbarer Ausklang für die erste Sommerübung, die für die meisten der Kids ein ganz besonderes Abenteuer gewesen war.
Nun richtet sich der Blick schon auf den nächsten Termin Ende Juni – dann, so die Hoffnung, ohne Wasser von oben.