Wenn derzeit ein Temperaturrekord den nächsten jagt, wirkt es fast unwirklich: Noch vor nicht einmal zwei Wochen, am 13. Juni 2026, fand die Sommerübung unserer Ortsstelle bei feucht-kühlen Bedingungen statt, die eher an einen Herbsttag als an den Frühsommer erinnerten. Doch genau diese Mischung aus Nässe, Kälte und alpiner Herausforderung machte den Übungstag besonders wertvoll. In den vergangenen Jahren wurde die Sommerübung regelmäßig genutzt, um Einsatzszenarien im alpinen Gelände intensiv zu trainieren, Abläufe zu festigen und technische Neuerungen unter möglichst realistischen Bedingungen zu erproben.
Für das Jahr 2026 entschied die Ausbildungsleitung, den Schwerpunkt bewusst auf die alpinistischen Fähigkeiten der Mannschaft zu legen. Im Mittelpunkt standen das sichere Fortbewegen im steilen Schrofengelände sowie das Arbeiten auf alpinen, teils brüchigen Graten – also genau jenem Gelände, in dem Trittsicherheit, Erfahrung, saubere Seiltechnik und konzentriertes Handeln besonders gefragt sind.

Insgesamt nahmen 24 Bergretter:innen an der Übung teil, zusätzlich waren 10 Mitglieder unserer Jugendgruppe im Einsatz. Während der Nachwuchs den Blechmauernsteig durchstieg – dazu gibt es bereits einen eigenen Bericht vom 16. Juni 2026 auf unserer Homepage –, warteten auf die beiden Erwachsenenteams zwei spannende Grat-Anstiege. Beide Routen führten durch teilweise brüchiges und ausgesetztes Gelände, das mithilfe fortlaufender Seilgeländer sicher bewältigt werden musste. Der stundenlange Dauerregen sorgte dabei für das, was man in der Bergrettung wohl treffend als perfektes Übungswetter bezeichnen kann.
Team 1 entschied sich für die Tour über den Wachthüttelwand-Nordgrat – einen zackigen, föhrenbestandenen Grat, der alpines Gespür und sauberes Arbeiten verlangt. Die Route bewegt sich meist im 2. Schwierigkeitsgrad (nur der Einstieg im Dritten) und ist eine großartige Unternehmung für erfahrene Alpinkletterer, die sich auch in brüchigem Fels und steilem, nassem Erdgelände sicher fühlen. Über 8 Seillängen hinweg galt es, Seilgeländer für die Mannschaft aufzubauen, die Bergretter:innen gesichert über den Grat zu führen und die Sicherungen anschließend wieder abzubauen. So arbeitete sich das Team Schritt für Schritt über den Grat in Richtung Berg und weiter zum Abstieg über den Wachthüttelgraben vor.
Team 2 machte sich ins Höllental auf. Von der Hochstegbrücke führte der Zustieg über einen Jagdsteig zum Südwestgrat des Hochgangs. Auch dieser baumbestandene Grat im Schwierigkeitsgrad 2+ bot genau jene Mischung, die eine realitätsnahe Ausbildung ausmacht: alpines Gelände mit Passagen von festem bis brüchigem Fels, steile Abschnitte und immer wieder Situationen, in denen umsichtiges Sichern entscheidend war. Da die Tour keine Haken bietet, musste das Seilgeländer an Bäumen sowie mit mobilen Sicherungsgeräten aufgebaut werden. Auf den Gipfel des Hochgangs wurde verzichtet, da bereits zuvor mittels Mannschaftsabseilen in den Schuttkessel abgeseilt wurde. Von dort stieg das Team wieder ins Tal ab.
Nach mehreren Stunden Kraxelei, konzentrierter Fortbewegung im Absturzgelände sowie wiederholtem Auf- und Abbau von Seilgeländern wurde die Übung am späteren Nachmittag erfolgreich beendet. Passend zum Abschluss hatte auch der Regen nachgelassen und der Sonne Platz gemacht. So konnten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Sommerübung schließlich in gemütlicher Atmosphäre im Mostwirtshaus Kobermann in Küb ausklingen lassen.
Ein herzliches Dankeschön gilt unserer Ausbildungsleitung für die sorgfältige Planung und Durchführung der Sommerübung 2026. Trotz – oder vielleicht gerade wegen – der anspruchsvollen Witterung wurde der Tag zu einem vollen Erfolg und zu einer wertvollen Gelegenheit, alpinistische Fähigkeiten unter realistischen Bedingungen weiter zu festigen.