Subtropische Hitze legte sich am Wochenende über das Rax-Schneeberg-Gebiet. Während zahlreiche Ausflügler, Familien und Alpinisten die Berge suchten und in der Region Konzerte wie das Stadtfest in Gloggnitz mit unter anderem Pizzera & Jaus sowie Seiler & Speer oder das Open Air beim Weichtalhaus mit 5/8erl in Ehr’n viele Besucher anzogen, blieb das Einsatzgeschehen für die Bergrettung Reichenau glücklicherweise überschaubar: Zwei Alarmierungen forderten die Einsatzmannschaft.
Schon am Samstag zeigte sich das Wetter in den frühen Morgenstunden von seiner drückenden Seite: schwül heiß, mit Cumulonimbus-Wolken am Himmel – ein deutliches Zeichen für eine äußerst instabile Wetterlage mit stark erhöhter Wahrscheinlichkeit für schwere Gewitter. Am späteren Vormittag zog das erste über die Rax. Nach einer kurzen Wetterberuhigung bildete sich erneut eine kräftige Gewitterzelle, die im Schneeberggebiet mit Hagel und Starkregen für Überflutungen sorgte. Innerhalb von weniger als zwei Stunden fielen rund 100 Millimeter Niederschlag. Auf der Rax stürzte während des Unwetters eine 27-jährige Wienerin am Weg zur Bergstation und zog sich Kopfverletzungen unbestimmten Grades zu. Trotz der Verletzung gelang es ihr noch, den Berggasthof zu erreichen. Dort wurde um 12.51 Uhr mit dem Notruf die Rettungskette in Gang gesetzt. Nur acht Minuten später rückte die Dienstmannschaft der Bergrettung Reichenau aus und fuhr mit einer Sondergondel auf den Berg. Der Bergrettungsarzt übernahm die Versorgung der Patientin. Da sie nicht mehr gehfähig war, wurde sie in die Gebirgstrage eingebracht und mit der Seilbahn ins Tal gebracht. Um 13.50 Uhr konnte die Frau dem alarmierten Rettungswagen übergeben werden, anschließend rückte die Mannschaft wieder in die Zentrale ein.
Der Sonntag brachte erneut extreme Hitze, diesmal jedoch bei stabilem Wetter. Diese Bedingungen nutzte eine Gruppe von sechs jungen Ausflüglern aus Wien für eine Bergtour. Ihr Ziel war der Alpenvereinsteig, ein Klettersteig der Schwierigkeit A/B. Technisch gilt er für erfahrene, konditionsstarke Wanderer mit entsprechender Ausrüstung als einfach, verlangt aber dennoch Kondition für mehr als 1.000 Höhenmeter und Trittsicherheit, da der Steig nicht durchgehend seilversichert ist.
Die Gruppe startete gegen 11.30 Uhr beim Weichtalhaus, kam jedoch nur sehr langsam voran. Auf etwa 1.350 Metern Seehöhe, kurz vor der Abzweigung zum Gustav-Jahn-Steig, klagte eine der wandernden Personen über Erschöpfung, Atemnot und Angstzustände, da an dieser Stelle keine Seilversicherung vorhanden war. Aufgrund der inzwischen langen Tourdauer setzte die Gruppe um 17.49 Uhr einen Notruf ab.
Kurz nach 18.07 Uhr rückte die Dienstmannschaft in zwei Teams in Richtung der Zwischenlandeplätze Höllental und Weichtal aus. Dort war das Zusammentreffen mit dem ÖAMTC-Rettungshubschrauber Christophorus 3 sowie dem BMI-Hubschrauber Libelle geplant. Bei einem Sichtungsflug durch den C3 konnten die Personen rasch lokalisiert werden. Im perfekten Zusammenspiel der Einsatzkräfte wurde die erschöpfte Person mittels Tau vom Rettungshubschrauber ausgeflogen und am Landeplatz Großes Höllental an die Bergrettung übergeben. Drei weitere Personen wurden durch den Polizeihubschrauber ebenfalls mittels Tau geborgen und am Landeplatz Weichtalhaus an die Bergrettung übergeben. Das Open-Air-Konzert beim Weichtalhaus musste für die Dauer der Flüge mehrmals kurz unterbrochen werden – ein herzliches Danke an das Team und die Band für das Verständnis. Zwei Personen der Gruppe stiegen eigenständig über den Steig wieder ins Tal ab. Der erschöpfte Wanderer wurde mit dem Bergrettungsfahrzeug zur Bundesstraße gebracht und dort dem Rettungsdienst übergeben. Kurz vor 20.00 Uhr konnte mit dem Einrücken der Mannschaft das Einsatzende vermeldet werden. Alle vier geborgenen waren mangelhaft ausgerüstet – ohne Klettersteig-Set, ohne Gurt, ohne Helm und nur mit Sneakers an den Füßen.
Wir wünschen den beiden verletzten beziehungsweise erschöpften Personen gute Besserung und appellieren einmal mehr, Bergtouren sorgfältig zu planen, die Route realistisch einzuschätzen und sie den eigenen körperlichen Voraussetzungen sowie der vorhandenen Ausrüstung anzupassen.